Urheberrechtsreform: Wie können Community Manager damit umgehen?

Trotz lauter Kritikrufe von vielen Seiten hat die EU im März dieses Jahres die Urheberrechtsreform beschlossen. Gegenstand der Empörungen und Warnungen aus der Bevölkerung wie auch von Experten waren vor allem Artikel 11 und 13. Wie die Urheberrechtsreform die Arbeit von Community Managern tangiert, erfährst du in diesem Artikel.

Das Dilemma ist so alt wie das Internet: Das World Wide Web verspricht jedem Nutzer die Freiheit, nicht nur seine Meinung, sondern auch Inhalte mit der Welt zu teilen – die Urheber dieser Inhalte wollen dabei allerdings nicht leer ausgehen. Auch wenn das Urheberrecht Künstler und andere Produzenten von digital Teilbarem schützen will, ist dieses Vorhaben in den unermesslichen Weiten des Internets oftmals nicht mehr Wunschdenken.

Was ist die Urheberrechtsreform? 

Artikel 11 soll ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger regeln. Demnach dürfen Suchmaschinen wie Google in den Suchergebnissen und Nachrichtenportalen keine Überschriften und kurze Ausschnitte mehr anzeigen, ohne vorher eine entsprechende Erlaubnis von den Verlegern der Presseveröffentlichungen eingeholt zu haben. Während hiervon Suchmaschinen betroffen sind, richtet sich Artikel 13 an die Betreiber von Internetplattformen.

In der am 26. März 2019 angenommenen Gesetzesfassung wird der ehemalige umstrittene Artikel 13 unter der Artikelnummer 17 geführt. Er verschiebt die Verantwortung über veröffentlichte Inhalte auf Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten.

Bislang lag die Verantwortung für die Einhaltung des Urheberrechts auf Seiten der Nutzer dieser Plattformen. Sobald sie ohne Erlaubnis Inhalte veröffentlichten, die urheberrechtlich geschützt waren, konnten sie haftbar gemacht werden. Mit der Urheberrechtsreform liegt diese Verantwortung nun bei den Betreibern der Portale, auf die diese Inhalte hochgeladen werden.

Was bedeutet das für Community Manager?

Community Manager sind per Definition für die Betreuung der Community verantwortlich. Unabhängig von gesetzlichen Änderungen lag die Einhaltung von gewissen Richtlinien immer schon in ihrem Aufgabengebiet. Doch so intensiv sich ein Community Manager auch mit den Inhalten der Nutzer auseinandersetzt, kann doch immer ein urheberrechtlicher Inhalt unbemerkt bleiben. Dies würde mit der Einführung der Urheberrechtsreform in dieser Form zu strafrechtlichen Konsequenzen für die Plattformbetreiber führen.

Der gefürchtete Upload-Filter

Um sich vor einem solchen Unbemerktbleiben von widerrechtlich hochgeladenen Inhalten zu schützen, besteht die Möglichkeit eines Upload-Filters. Damit würden alle Inhalte, die Nutzer veröffentlichen wollen, zunächst darauf überprüft, ob sie urheberrechtlich geschützt sind. Kritiker sehen dabei die Meinungsfreiheit gefährdet, weil die Portale dadurch weitere Filter einsetzen könnten, die einzelne Beiträge zensieren.

Zudem ist es unrealistisch, dass gigantische Datenmengen wie bei Facebook oder YouTube von geschultem Fachpersonal durchgesehen werden. Stattdessen müsste es sich bei dem Upload-Filter um eine automatisierte Software handeln. Programme können wiederum das menschliche Urteil nicht ersetzen, sodass unnötige Sperrungen von Inhalten ebenso wie fälschlich als unbedenklich eingestufte Inhalte nicht ausgeschlossen werden könnten.

Während große Portale wie Facebook oder YouTube über die Ressourcen verfügen, einen Upload-Filter zu installieren, der der Urheberrechtsreform gerecht wird, ist dies für die meisten kleineren Plattformen aus finanziellen Gründen nicht möglich.

Lizenzvereinbarungen ermöglichen legalen Upload

Portale, die sich von der Weitergabe urheberrechtlich geschützter Inhalte finanzieren, wie beispielsweise Spotify, können über entsprechende Lizenzvereinbarungen mit den Urhebern weiterhin bestehen. Doch auch diese Möglichkeit bietet sich für kleine Communityplattformen nicht, da solche Vereinbarungen enorme finanzielle Ressourcen verlangen.

Das Aus für kleine Plattformen?

Die Urheberrechtsreform soll nur gewinnorientierte Portale betreffen. Somit sind sogenannte Non-Profit-Organisationen von diesen Änderungen ausgeschlossen.

Außerdem gilt die Urheberrechtsreform nicht für Unternehmen,

  • die jünger als drei Jahre sind,
  • deren Jahresumsatz zehn Millionen Euro nicht übersteigt
  • die weniger als fünf Millionen Nutzer im Monat haben

Plattformen, die in diese Kategorien fallen, brauchen also keine Angst vor der Urheberrechtsreform zu haben. Welche Ausmaße das neue Gesetz auf alle anderen Unternehmen haben wird, bleibt zunächst noch abzuwarten.

Was tut Deutschland?

Am 6. Juni 2019 ist die Urheberrechtsreform in Kraft getreten, innerhalb der nächsten zwei Jahre sollen die Vorgaben in nationales Recht umgesetzt werden. Deutschland plädiert dafür, die Reform ohne Upload-Filter durchzuführen.

„Upload-Plattformen sollen auch künftig als freie, unzensierte Kommunikationskanäle für die Zivilgesellschaft zur Verfügung stehen“, heißt es in einer vierseitigen, rechtlich aber nicht bindenden Zusatzerklärung der Bundesregierung.

Über die Autorin

Ariane Brandes

Ein heißer Sommertag im August, Anfang der 70er-Jahre. Ariane steht in der Küche und beschließt: „Hier soll es jetzt schneien!“ Während sich ihre Mutti noch über den naiven Wunsch ihrer Tochter amüsiert, holt die sich seelenruhig drei Packungen Mehltüten aus dem Schrank und siehe da: Schnee in der Küche, nur anders. Aber immerhin Schnee! Auch heute lässt sie sich nie von einer Idee oder Überzeugung abbringen, allen Unkenrufen oder anderslautenden Meinungen zum Trotz.

Apropos Seelenruhe: Auch so eine Sache. Egal, welche großen oder kleinen Katastrophen auch toben mögen. Keine davon wird sie aus der Ruhe bringen. „Woher nimmst du bloß deine Gelassenheit?“ – eine Frage, die man ihr im Lauf des Lebens unzählige Male stellte. Arianes einfache Antwort darauf: „Ich habe schon so viele Tiefpunkte im Leben überstanden. Reine Erfahrungssache also. Aufregen bringt nichts, es geht immer weiter.“

Fragt man sie wiederum nach ihrer Vision, muss sie nicht lange überlegen: „Menschen auf der ganzen Welt, ob arm oder reich, sollten sich miteinander online wie offline verbinden. Im Herzen und mit ihren Zielen. Gemeinsam statt gegeneinander, wertschätzend und respektvoll.“ Oder in einem Wort ausgedrückt: Ariane geht es entscheidend um Gerechtigkeit, schon immer. Dafür setzt sie sich vehement ein ­­– in aller Konsequenz. Mit einer der Gründe, warum Menschen gerne Arianes Gesellschaft suchen.

Als Kind waren es eher die Tiere, die sich wie von Geisterhand um sie scharten. Ein wilder Rabe auf ihrer Schulter, der, warum auch immer beschloss: „Du bist jetzt meine Freundin!“ Oder auch Igel, Pferde, Hunde ­– im Prinzip alles, was Fell, Federn oder Hufe hatte fand sich bei Ariane. Heute sind es Menschen, die es zu schätzen wissen, dass sie sich nie in den Vordergrund drängelt.

Im Hintergrund bleiben, von dort aus leise die Fäden spinnen. Als Community Managerin und TV-Redakteurin Menschen real oder virtuell vernetzen und jeden von ihnen voranbringen – das ist ihre persönliche Energiequelle für den Alltag.

Community Management bedeutet für mich auch, Aufträge an Kolleg/innen abzugeben, um ebenso ein Auftragsnetzwerk zu erschaffen.

Mein Portrait schrieb Ulrike Parthen, www.wortgerecht.de

Angaben zum Foto: Rüdiger Lutz

von Ariane Brandes

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